Einfach ehrlich und echt

WIS-Mitarbeiter beteiligten sich am Schichtwechsel der AWO Spreewaldwerkstätten

Als die Einladung der AWO Spreewaldwerkstätten zum Schichtwechsel kam, ließen sich die Mitarbeiter der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH nicht lange bitten. Vier von ihnen nutzten auch in diesem Jahr die Chance einmal eine andere Perspektive einzunehmen – die von Menschen mit Beeinträchtigungen. Auch jene gehen ganz normal ihrer Arbeit nach; wochentags zu geregelten Zeiten. 

„Hier arbeitet jeder nach seinen Fähigkeiten und so viel wie er kann“, erzählt Birgit Kothe von der WIS. Sie durfte in drei Bereiche in den Lübbenauer AWO Spreewaldwerkstätten „reinschnuppern“: Holzwerkstatt, Wäscherei und Elektromontage. Emotional berührt habe sie die „Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden. Die Menschen hier sind einfach echt. Das erlebt man sonst kaum noch.“ 

Sie und ihre Kolleginnen haben bei ihrem Aufenthalt in den Werkstätten schnell gemerkt, dass manche der Arbeiten, die die Mitarbeiter dort verrichten viel Geduld erfordern und gar nicht so einfach sind. „Beim Montieren von Elektrodosen, die Feder einzulegen und wie erforderlich zu spannen, war für mich ganz schön herausfordernd“, verriet Birgit Kothe. Das bestätigte auch Tina Raden. „Und bei den Beschäftigten dort geht das so fix. Sie waren so stolz, uns zeigen zu können, wie man es richtig macht und eben auch auf ihre Leistungen selbst.“ Das können sie auch, denn die in den Lübbenauer Spreewaldwerkstätten montierten Elektrodosen werden international verschickt und verbaut. „Das wusste ich bisher nicht und hat mich sehr beeindruckt.“ Ebenso die Offenheit der Menschen und dass sie neben ihrer Arbeit genau die gleichen Dinge im Kopf haben und ähnliche Alltagsgespräche führen. „Ich brauche noch schwarze Schuhe für eine Beerdigung, zu der ich gehe“, hörte sie bei einer Unterhaltung unter Kolle-gen. 

Mit seinen „Kollegen für einen Tag“ war auch Ricardo unterwegs. Er ist normalerweise in der Elektromontage in den AWO Spreewaldwerkstätten tätig. Auch für ihn hieß es Schichtwechsel und so verbrachte er einen vielseitigen Arbeitstag bei den Hausmeistern der WIS. Haustüren einstellen, Müllplätze reinigen, Sperrmüll anmelden, Wasserdruck in der Hausanschluss-Station prüfen… „ich mache heute alles, was mein Kollege macht“, erzählt er stolz. Seine Einstellung ist sehr vorbildlich. Ricardo packt überall kräftig mit an, beispielsweise bei den Vorbereitungen für das Mieterfest im WIS-Wohnprojekt WOHNEN AN DEN GÄRTEN. Vor Arbeitsbeginn hat er extra einen Bus eher genommen als sonst, „lieber früher als zu spät“, erklärte er ganz selbstverständlich. 

Genauso selbstverständlich erledigen die Menschen mit Beeinträchtigungen tagtäglich ihre Arbeit. „Ich kannte die Werkstätten noch gar nicht. Echt überwältigend, wie umfangreich sie sind“, beschreibt WIS-Mitarbeiterin Claudia Jurk. „Es war wichtig, das mal selbst miterlebt zu haben“, resümiert auch Annett Merting von der WIS. Beide Frauen waren ebenfalls beim Schichtwechsel dabei. Kollegin Tina Raden wünscht sich nach ihren neuen Erfahrungen einmal mehr, „dass diese Menschen stärker integriert werden. Es gibt vermutlich in vielen Unternehmen Tätigkeiten, die sie verrichten könnten.“ Und vielleicht übernehmen dann einige Kollegen etwas von jener geschilderten Herzlich- und Ehrlichkeit. Toleranz und Wertschätzung verbessern das Miteinander unbestritten überall.