Oma Inge greift zum Sparstrumpf

Polizei-Prävention gibt Tipps zur Sicherheit für Senioren

Polizeihauptkommissarin Sandy Feige spielt Handpuppe Oma Inge Schmidt und warnt ältere Menschen vor Betrügern

Polizeihauptkommissarin Sandy Feige spielt Handpuppe Oma Inge Schmidt und warnt ältere Menschen vor Betrügern

„Ich war mit meiner Freundin Anneliese und ihrer Tochter im Elbsandsteingebirge. Das war so schön“, schwärmt Oma Inge. „Aber als ich nach Hause kam, sah ich schon von weitem die offene Tür und im Haus war alles durchwühlt.“ Es wurde eingebrochen. Oma Inge Schmidt ist glücklicherweise nur eine Handpuppe, gespielt von Polizeihauptkommissarin Sandy Feige. Sie und ihr Kollege Thorsten Kuusik, als Technischer Berater im Sachgebiet Prävention angestellt, gaben auf Einladung der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH jüngst im Lübbenauer Haus der Harmonie eine Senioren-Präventionssprechstunde.

„Vieles was wir hier erzählen ist den meisten ja schon bekannt“, vermutet Sandy Feige. „Wir merken jedoch, je öfter man darüber spricht, desto besser prägt es sich ein. Wir wünschen uns, dass niemand auf Betrüger hereinfällt“, ergänzt sie. Der fiktive Einbruch bei Oma Inge wurde zum Anlass genommen, um Tipps gegen solche Fälle zu geben. „Licht und Zeit sind entscheidende Faktoren“, weiß Thorsten Kuusik. Einbrecher wollen nicht gesehen werden. Sie flüchten meist schnell, wenn Licht angeht. Bewegungsmelder oder Dauerlicht vor der Eingangstür sind darum ratsam. „Es ist wichtig, dass Sie Ihre Nachbarn kennen und auch mit Ihnen sprechen, beispielsweise gemeinsam vereinbaren, dass die Hauseingangstür immer geschlossen sein soll, damit kein Unbefugter ins Wohnhaus gelangt“, empfiehlt der Technische Berater. Zudem können Fenster und Türen mit Sicherheitsschlössern nachgerüstet werden. „Wir raten ganz klar zu geprüften Produkten, denn die bieten eine gewisse Sicherheit“, führt Kuusik fort. Diese Empfehlung gelte auch für Keller- und Fahrradschlösser. 

Am Telefon und auch an der Haustür sollte man sich nicht von falschen Polizisten blenden lassen. Bei Verdacht empfehlen die beiden Dozenten direkt in der Wache anzurufen, um sich zu erkundigen, ob ein echter Beamter Kontakt aufgenommen hat. „Unsere Zentrale weiß über die Einsätze der Polizisten immer Bescheid und kann Ihnen da Sicherheit geben“, informiert Sandy Feige. Ein Polizist ist erkennbar am Dienstfahrzeug, seiner Dienstmarke sowie der Waffe, die zu seiner Dienstkleidung dazu gehört. Keinesfalls würde die Polizei nach Geldbeträgen fragen. Auskünfte zu finanziellen Verhältnissen sollte man nicht geben. „Bitte lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen und legen Sie im Zweifelsfall einfach auf“, rät die Hauptkommissarin. „Haben Sie ein gesundes Misstrauen und melden Sie jeden Vorfall“, bittet sie weiter. Auch wer Verdächtige im Wohngebiet sieht, sollte die 110 wählen. „Unsere Revierpolizei kann schnell reagieren.“ Oma Inge Schmidt wäre schließlich fast noch auf einen Telefon-Betrüger hereingefallen, der sich als Polizist vorstellte. Er gab vor, ihre Ersparnisse auf Falschgeld überprüfen zu müssen – sowohl die aus dem Sparstrumpf, als auch die vom Bankkonto. Oma Inge hätte ihm bereitwillig alles zur Verfügung gestellt, wäre sie nicht von Sandy Feige und Thorsten Kuusik gestoppt worden. „Wir haben hier einen echten Fall nachgespielt, der sich kürzlich in Senftenberg ereignet hat. Dabei wurde eine Rentnerin um 30.000 Euro betrogen. Wir möchten eindringlich vor solchen Maschen warnen!“

„Die Betrüger sind mittlerweile so schlau. Lassen Sie sich am besten nicht auf Gespräche ein“, werden die Anwesenden gewarnt. Zur Beruhigung wird ihnen jedoch noch eine Polizeistatistik gezeigt, die ausweist, dass die Kriminalitätsfälle im Kreis Oberspreewald-Lausitz rückläufig sind. „Im letzten Jahr waren es 800 Delikte in Lübbenau und darunter fallen auch Fahrrad-Diebstähle und Vandalismus, beispielsweise mit Graffitis beschmierte Wände und Briefkästen“, erzählt Sandy Feige. Ein kurzer Film zeigt abschließend, wie schnell sich Taschendiebe fremde Briefbörsen aneignen. Empfohlen wird daher, das Portemonnaie am Körper zu tragen, beispielsweise in der Jackeninnentasche. Die Handtasche sollte ebenfalls mit der Öffnung zum Körper umgehängt sein. Gepäckstücke sind niemals, auch nicht für zwei Sekunden, unbeaufsichtigt zu lassen. Auch im Restaurant oder in der Bahn sind Brieftaschen in über den Stuhl oder an den Haken gehängten Jacken eine schnelle Beute für Taschendiebe.

„Ich habe sehr viel Interessantes gehört. Es ist gut, wenn man das mal persönlich gesagt bekommt“, resümiert Gerda Röhrich am Ende der Informationsrunde. „Sehr, sehr gut. Man kann es nicht oft genug hören. Wir fragen die Veranstaltung soeben für unsere Senioren-Sportgruppe an“, erzählt eine andere Teilnehmerin, die nicht namentlich genannt werden will. „Wir möchten unseren älteren Mietern mit Ausflügen, Spiel- und Tanznachmittagen nicht nur Unterhaltung bieten, sondern ihnen auch nützliche Informationen für den Alltag zur Verfügung stellen“, begründet WIS-Geschäftsführer Michael Jakobs die Präventionsveranstaltung. „Am 18. November gibt es eine weitere zum Thema Vorsorgevollmacht“, fügt Martina Broschinski, Seniorenbeauftragte der WIS hinzu.